Extreme Lags in der WoW Forever Beta
Die World of Warcraft: Forever Beta ist gestartet - für viele Spieler aus Europa allerdings mit erheblichen Verbindungsproblemen. Im offiziellen Betaforum häufen sich Berichte über hohe Latenzen, Verzögerungen und teilweise Werte von mehreren Tausend Millisekunden.
Eine höhere Grundlatenz ist bei einer Verbindung von Europa nach Nordamerika zunächst nicht ungewöhnlich. Rund 100 bis 150 ms wären unter diesen Umständen grundsätzlich nachvollziehbar. Latenzen von 1.000, 2.000 oder sogar 5.000 ms lassen sich dadurch allerdings nicht erklären.
Nach aktuellen Traceroutes und Spielerberichten scheint die Forever-Beta derzeit über nordamerikanische Infrastruktur zu laufen. Blizzard selbst nennt in der offiziellen Ankündigung allerdings keinen konkreten Standort der Beta-Server.
Ein VPN kann die Lags teilweise deutlich reduzieren

Auch entsprechende Tests zeigen einen erheblichen Unterschied: Während die normale Verbindung teilweise massive Verzögerungen verursacht, kann ein VPN-Endpunkt an der US-Ostküste für eine wesentlich stabilere Verbindung sorgen. Besonders gute Ergebnisse wurden dabei mit einem Standort in Boston erzielt.
Auch im offiziellen WoW-Forum gibt es entsprechende Berichte. Ein Spieler beschreibt beispielsweise eine Verbesserung von ungefähr 1.500 bis 5.000 ms auf etwa 100 bis 300 ms, nachdem die Verbindung über Proton VPN in die USA geleitet wurde.
Ein VPN ist allerdings kein garantierter Fix. Je nachdem, wo die Ursache der jeweiligen Verbindungsprobleme liegt, kann er helfen, keinen Unterschied machen oder die Latenz sogar erhöhen.
Warum kann ein VPN die Verbindung zu WoW verbessern?
Auf den ersten Blick klingt es widersprüchlich: Ein VPN fügt schließlich einen zusätzlichen Zwischenpunkt zur Verbindung hinzu. Trotzdem kann die Verbindung dadurch schneller und vor allem stabiler werden.
Der Grund ist das sogenannte Routing. Daten werden im Internet nicht automatisch über den geografisch kürzesten oder schnellsten Weg geschickt. Internetanbieter, große Netzbetreiber und Dienste wie Blizzard entscheiden anhand verschiedener technischer und wirtschaftlicher Regeln, welchen Weg Daten zwischen ihren Netzwerken nehmen.
Eine normale Verbindung kann vereinfacht beispielsweise so aussehen:
Spieler in Deutschland → Internetanbieter → mehrere Netzbetreiber → Nordamerika → Blizzard
Liegt auf diesem Weg ein überlasteter Übergang, ein problematisches Peering oder ein anderer Engpass, können hohe Latenzen oder Paketverluste entstehen.
Mit einem VPN ändert sich dieser Weg:
Spieler in Deutschland → VPN-Netzwerk → US-VPN-Server → Blizzard
Der eigene Internetanbieter muss den Datenverkehr zunächst nur zum VPN-Anbieter transportieren. Ab dort übernimmt dessen Netzwerk die Weiterleitung. Dadurch kann ein völlig anderer Weg zu Blizzards Infrastruktur verwendet und ein problematischer Knotenpunkt umgangen werden.
Proton VPN als einfacher Workaround
Wer aktuell unter extremen Lags in der Forever-Beta leidet, kann testweise einen VPN-Server in den USA verwenden. Eine vergleichsweise unkomplizierte Möglichkeit dafür ist Proton VPN.
Hinweis: Hierbei handelt es sich nicht um bezahlte Werbung und es besteht keine Kooperation mit Proton. Der Dienst wird an dieser Stelle lediglich als mögliche Lösung empfohlen, da er sich einfach einrichten lässt und auch einen kostenlosen Tarif anbietet.
Proton VPN Free verfügt aktuell über Server in mehreren Ländern, darunter auch die USA. Es gibt dabei keine monatliche Begrenzung des Datenvolumens.
Beim kostenlosen Tarif gibt es allerdings eine Einschränkung: Ein bestimmter US-Standort wie Boston kann nicht gezielt ausgewählt werden. Die verfügbaren kostenlosen Server werden automatisch beziehungsweise zufällig zugeteilt. Für die gezielte Auswahl einer Stadt ist ein kostenpflichtiger Proton-VPN-Tarif erforderlich.
Welche VPN-Region sollte gewählt werden?
Da sich die aktuelle Beta-Infrastruktur offenbar in Nordamerika befindet, bietet sich grundsätzlich ein Server an der US-Ostküste an. Dadurch bleibt die zusätzliche geografische Distanz möglichst gering.
In bisherigen Tests hat sich insbesondere Boston als sehr guter Standort erwiesen.
Als Ausgangspunkt bietet sich daher folgende Reihenfolge an:
- VPN mit einem Server in den USA verbinden.
- Wenn eine gezielte Standortwahl möglich ist, zunächst Boston beziehungsweise einen anderen Standort an der US-Ostküste testen.
- World of Warcraft anschließend vollständig neu starten.
- Die Werte für Home und World einige Minuten beobachten.
- Bei keiner Verbesserung einen anderen US-Standort ausprobieren oder den VPN wieder deaktivieren.
Entscheidend ist nicht unbedingt der niedrigste angezeigte Ping. Eine konstante Verbindung mit beispielsweise 120 bis 150 ms kann sich wesentlich besser spielen als eine Verbindung, die regelmäßig zwischen 100 und mehreren Tausend Millisekunden schwankt.
Warum hilft der VPN nicht bei jedem?
Nicht jedes derzeitige Problem der Forever-Beta muss durch das Routing verursacht werden.
Es gibt ebenfalls Spielerberichte, bei denen die eigentliche Netzwerkverbindung zum verwendeten WoW-Endpunkt stabil bleibt, während die im Spiel angezeigte World-Latenz trotzdem massiv ansteigt. In solchen Fällen kann das Problem beispielsweise innerhalb der Spiel- oder Serverinfrastruktur liegen.
Ein VPN kann nur dann helfen, wenn der alternative Netzwerkweg tatsächlich einen vorhandenen Engpass umgeht. Serverprobleme, überlastete Spielprozesse oder Fehler innerhalb der Beta werden durch einen VPN nicht behoben.
Ist ein VPN dauerhaft notwendig?
Nein. Ein VPN sollte in diesem Fall vor allem als temporärer Workaround und gleichzeitig als einfacher Test für ein mögliches Routingproblem betrachtet werden.
Internet-Routen können sich jederzeit ändern. Netzbetreiber können Verbindungen anpassen, Kapazitäten erweitern oder Daten automatisch über andere Wege schicken. Ebenso kann Blizzard während der Beta Änderungen an seiner Infrastruktur vornehmen.
Wer aktuell nur mit VPN eine vernünftige Verbindung erhält, sollte deshalb regelmäßig testen, ob die direkte Verbindung inzwischen wieder problemlos funktioniert.
Fazit
Die aktuell auftretenden Lags der WoW Forever Beta scheinen zumindest bei einem Teil der europäischen Spieler mit dem Netzwerkweg nach Nordamerika zusammenzuhängen. Ein VPN kann diesen Weg verändern und dadurch problematische oder überlastete Verbindungen umgehen.
Insbesondere ein US-Server an der Ostküste kann einen Versuch wert sein. In Tests hat sich Boston als besonders stabil erwiesen. Proton VPN bietet dafür eine unkomplizierte Möglichkeit, wobei für die gezielte Auswahl eines bestimmten Standorts ein kostenpflichtiger Tarif notwendig ist.
Ein VPN ist allerdings kein allgemeiner Fix für sämtliche Beta-Lags. Treten die Probleme innerhalb der Blizzard- oder Spielserver-Infrastruktur auf, kann auch ein anderer Netzwerkweg daran nichts ändern.
Quellen
- Blizzard Entertainment - Die Beta für World of Warcraft: Forever ist da!
- World of Warcraft Forums - BETA is not made for EU?
- World of Warcraft Forums - EU Forever latency doesn't match actual connection latency
- World of Warcraft Forums - Has latency skyrocketed for anyone else after the first beta patch?
- PeeringDB - Blizzard Entertainment / AS57976
- Proton VPN - Informationen zum Free-Tarif und zur Serverauswahl